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Start Informationen Bestandsentwicklung Brutbericht 2015 (SH)

Brutbericht 2015

Bestandsentwicklung

Im Jahr 2015 waren in Schleswig-Holstein 95 Seeadlerreviere besetzt (s. Grafik). Im Vergleich zum Vorjahr gab es acht Neuansiedlungen (Krogaspe/RD, Wellsee/PLÖ, Gr. Plöner See/PLÖ, Gömnitz/OH, Frestedt/HEI, Mötjensee/HEI, Horst/ IZ und Bokel/PI) von denen nur drei Paare erfolgreich gebrütet haben. Insgesamt gab es 11 Revierpaare von denen zwar ein Neststandort bekannt geworden ist, die aber nach unseren Beobachtungen nicht mit einer Brut begonnen haben. Die Gründe für den ausbleibenden Brutbeginn sind vielfach nicht bekannt und in Einzelfällen durch eine neue Paarbindung erklärbar.

Bestandsentwicklung_2015

Im Frühjahr 2015 begannen somit 84 Paare mit einer Brut, aber nur 67 Paare brüteten erfolgreich, so dass im Juli insgesamt 106 junge Seeadler flügge wurden. Die Verteilung der Jungenzahl pro Horst erbrachte folgendes Bild: 2 x 3, 35 x 2 Jungvögel und 30 x 1 Jungvogel. Bezogen auf die Anzahl der bekannten Revierpaare wurden 1,1 Junge pro Revierpaar flügge, also gerundet 1 Jungvogel pro Adlerpaar. Der Teilbruterfolg lag bei 1,58 Jungvögeln pro erfolgreichem Brutpaar und somit dicht am langjährigen Mittelwert.

Verbreitung

Aufgrund der naturräumlichen Ausstattung liegt der Schwerpunkt der Seeadlerbrutverbreitung in der gewässerreichen holsteinischen Jungmoränen- Landschaft (Abbildung 2). In den Landkreisen Plön (PLÖ) und Ostholstein (OH) hat sich der Bestand durch Neuansiedlungen verdichtet. Zudem sind am westlichen Rand des schleswig-holsteinischen Vorkommens in Dithmarschen (HEI), Steinburg (IZ) und Pinneberg (PI) neue Ansiedlungen hinzugekommen.

Seeadler_Brutverbreitung_2015kDie Seeadlervorkommen verteilen sich auf 12 Landkreise:

Kreis  Paare   Kreis Paare
PLÖ 22   NF 4
OH 16   IZ 5
RD 14   HEI 5
RZ 10   OD 2
SL 7   PI 2
SE 7   HL 1

Tab.: Vorkommen des Seeadlers in den verschiedenen Kreisen (n=95 Rev.).

 

GEFÄHRDUNG UND SCHUTZ

Insgesamt waren 20% der begonnenen Bruten erfolglos. Von 4 Paaren im Kreis Nordfriesland (NF) waren alle erfolgreich. Dagegen brüteten von 5 Paaren im Kreis Dithmarschen (HEI) alle erfolglos. Die Ursachen für die Brutverluste in Schleswig-Holstein sind unterschiedlich und waren in mindestens drei Revieren durch den Absturz des Horstes bei Sturmlage begründet. In diesen Revieren wurden später Eischalenreste oder tote Junge unter dem Horstbaum gefunden. Im Revier Kudensee/HEI starben die beiden Küken in der frühen Brutphase, vermutlich durch eine langanhaltende massive Störung in Horstnähe. Im Revier Frestedt/HEI fielen die Altvögel und beide Jungadler einer illegalen Wildtiervergiftung mit dem Pestizid Mevinphos zum Opfer. Die Polizei Heide und die Staatsanwaltschaft ermitteln in diesem Fall gegen Unbekannt. Im Revier Barsbek/PLÖ baute das Seeadlerpaar im Dezember 2014 eine neue Horstanlage auf einer Pappel. Dieser Baum wurde Anfang Januar 2015 von einem unbekannten Täter illegal abgesägt. Die Seeadler kehrten deshalb auf ihren alten Horstbaum am Barsbeker See zurück und brüteten dort erfolgreich. Im Revier Gelting/ Stangenheck/SL wurde im Februar 2015 der Horstbaum von einem unbekannten Täter umgesägt. Das ansässige Seeadlerpaar siedelte daraufhin auf einen neuen Horst um. Beide letztgenannten Fälle stehen mutmaßlich im Zusammenhang mit der Planung von Windenergieanlagen. Derartige Übergriffe erschrecken und alarmieren alle Schleswig-Holsteiner. Seitens der Projektgruppe Seeadlerschutz wird mit einem flexibel angepassten Schutzkonzept auf diese neuen Bedrohungen reagiert. Der Einsatz von Wildtierkameras und vermehrte Revierkontrollen sollen den Schutzerfolg in den Seeadlerrevieren langfristig sicherstellen. Die illegale Vergiftung von Greifvögeln und das Absägen von nach dem Bundesnaturschutzgesetz geschützten Horstbäumen sind Straftaten, die vom Umweltministerium zur Anzeige gebracht und strafrechtlich verfolgt werden.

Bernd Struwe-Juhl & Volker Latendorf



 

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