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Brutbericht Schwarzstorch 2016 (SH)

Projekt Schwarzstorchschutz

2016 war ein eher durchschnittliches Jahr für den Schwarzstorch in Schleswig-Holstein. Neuansiedlungen und Brutabbrüche hielten sich die Waage und die Jungenzahl sank gegenüber 2015 etwas. Aus der unten stehenden Grafik wird ersichtlich, dass der Schwarzstorchbestand in Schleswig- Holstein seit vielen Jahren, obwohl es aufgrund der Nahrungsverfügbarkeit durchaus Potenzial für mindestens 15 Brutpaare gäbe, weitgehend stagniert. Als Grund hierfür ist nach wie vor das aus verschiedensten Gründen schwindende Angebot an störungsfreien Brutwäldern mit entsprechenden Altholzanteilen zu sehen. Obwohl es wie in jedem Jahr zahlreiche Sichtungen von Altvögeln oder sogar Paaren in geeig- neten Lebensräumen außerhalb der bekannten Reviere gibt, blieben Bruten aus oder die durch die Mitarbeiter der AG Schwarzstorchschutz mit äußerster Sensibilität durchgeführten Horstsuchen ab Mai / Juni blieben erfolglos.

Schwarzstorch_2016

Zusammenfassend waren in Schleswig-Holstein im Berichtsjahr acht Reviere nachweislich besetzt. In diesen Wäldern brüteten sechs Paare erfolgreich und zogen insgesamt 13 Jungvögel auf (1x 4 , 4x 2 und 1x 1 Jungvogel). Dieses Brutergebnis bedeutet einen Rückgang der Jungenzahlen gegenüber 17 Jungstörchen im Jahr 2015 und 16 im Jahr 2014. Allerdings kam es 2016 an drei Brutplätzen zum Verlust von jeweils einem nicht flüggen Jungvogel im Alter von jeweils mindestens 4-5 Wochen und über die Ursachen hierzu kann lediglich spekuliert werden. Nahrungsmangel scheint zumindest nicht ausgeschlossen. Auch im benachbarten Bundesland Niedersachsen sind ähnliche Verluste zu verzeichnen. Auffällig sind in den letzten Jahren die immer häufiger vorkommenden Wechsel der Horstplätze, was wiederum auf das Fehlen störungsarmer Wälder hinweist. Lediglich in einem Waldgebiet brütet ein Paar nunmehr im elften Jahr hintereinander erfolgreich und lediglich in zwei weiteren Revieren gibt es seit etwa 10 Jahren feste Brutplätze mit Wechselnestern in ein bis zwei unmittelbar benachbarten Wäldern. Als Beispiel für die spontane und auch störungsbedingte Flexibilität der Störche sei ein aktuelles Revier im Landkreis Ostholstein genannt. Nachdem dort in einem Gehölz im vergangenen Winter eine vier Jahre als Brutplatz genutzte Stieleiche einem Sturm im Winter 2015/2016 zum Opfer fiel, begann das Paar 2016 sofort nach Ankunft im Brutrevier mit der Neuanlage eines Horstes in unmittelbarer Nähe auf einem dünnen Seitenast einer Buche unmittel- bar neben einem Weg. Es kam zu keiner erfolgreichen Brut und das Paar wechselte verspätet nach einem möglichen Brutabbruch auf einem bereits vor vielen Jahren angelegten Horst in sieben Kilometern Entfernung und erbrütete hier erfolgreich einen Jungstorch. Als Horstbäume wurden siebenmal Eichen und einmal die Lärche ausgewählt, wobei eine Brut auf einem Kunsthorst und eine weitere auf einem stabilisierten Naturhorst, jeweils auf Alteichen, stattfand. Insbesondere die Anlage eines Horstes, erstmals seit Aufzeichnungsbeginn, auf einer Lärche, in nur acht Metern Höhe, in einem fast reinen Nadelwald, stellt für Schleswig-Holstein bislang eine absolute Besonderheit dar. Bislang wurden, bis auf wenige Ausnahmen in den vergangenen Jahrzehnten (zweimal Kiefer und jeweils einmal Buche und Erle) stets Eichen ausgewählt. Dies alleine ist einer von vielen Gründen auch kleinere Alteichenbestände zu erhalten und deren Entwicklung in Zukunft weiter zu fördern.

Vorkommen verteilt auf die Landkreise
Kreis Paare Kreis Paare
RD 3 SE 1
RZ 2 OH 1
IZ 1    

Wir bedanken uns für die gute Zusammenarbeit in 2016 bei den Revierleitern der zuständigen Forstämter und für zahlreiche eingegangene Hinweise, die unverzichtbar für die AG Schwarzstorchschutz sind. Jede Beobachtung kann ein entscheidender Hinweis sein, um die Dunkelziffer zu minimieren. Umso begrüßenswerter wäre es, wenn bereits im kommenden Frühjahr 2017, im März/April, nach Eintreffen der nördlichsten Schwarzstorchpaare Deutschlands, verstärkt auf die Revierflüge und die Luftbalz als Hinweis auf eine vielleicht neue Revierbesetzung geachtet wird. Jeder Hinweis an die bewusst klein gehaltene Arbeitsgruppe Schwarzstorchschutz wird mit Diskretion behandelt und ist an die Verfasser erbeten.

 

Joachim Kock & Arne Torkler

Arbeitsgruppe Schwarzstorchschutz

Schleswig-Holstein

 

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