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Niedersachsen 2016

Seeadlerbrutbericht aus Niedersachsen

Die kontinuierliche Ausbreitung des Seeadlers in Niedersachsen setzte sich erfreulicherweise in diesem Jahr mit drei bis fünf Neuansiedlungen fort. Mit 47 Seeadlerrevieren, einer Ausweitung der Brutareale gen Westen und nun endlich auch im südlichen Niedersachsen schreitet die Besiedlung weiter voran. Die uns bekannten Neuansiedlungen befinden sich an der Wuster Nordseeküste, im Kerngebiet Südheide und im Landkreis Diepholz. Viele zukunftsweisende Beobachtungen lassen für die nächsten Jahre auf weitere Ansiedlungen hoffen.

Brutverbreitung_Nds_2016

Brutverbreitung des Seeadlers in Niedersachsen

Mit 34 Brutpaaren, die erfolgreich 52 Jungadler aufgezogen haben, wurde in diesem Jahr eine gute Reproduktion erreicht. Von diesen 52 Jungvögeln konnten wir in neun Horsten insgeamt 16 Jungadler beringen. Über einige besondere Ereignisse aus der Brutsaison 2016 wollen wir hier kurz berichten:
Revier Balksee: Durch einen Sturm stürzte der Horst bis auf den Unterbau ab. Die beiden Jungadler im Alter von 5-7 Wochen, konnten lebend geborgen und in die Wildtierauffangstation Rastede gebracht werden. Dort wurden die Jungadler von Klaus Meyer artgerecht aufgezogen und bis zu Auswilderung fachgerecht betreut. Im Juli 2016 konnten die Vögel von uns dann erfolgreich ausgewildert werden. Einer der Jungvögel wurde später am 23. September 2016 in Oostburg/ Niederlande gesichtet.
Revier Midlum: Nach einem Blitzeinschlag in den Horstbaum (Pappel) fand sich von den beiden zuvor im Horst beobachteten Jungadlern nur ein Jungvogel am Boden. Dieser konnte von uns lebend geborgen werden und wurde ebenfalls in die Wildtierauffangstation nach Rastede zur tiermedizinischen Betreuung überführt. Schon wenige Tage später konnte der Jungadler in gutem Ernährungszustand wieder in Horstnähe ausgesetzt werden. Später wurde er dann bei gemeinsamen Flugmanövern mit den Altvögeln über dem Revier beobachtet. Es liegen uns keine Erkenntnisse über den Verbleib des zweiten Jungadlers vor.
Revier Balje: In 2016 kam es erstmalig zur Brut an diesem Standort. Inwieweit es sich um eine Umsiedlung des Brutpaares vom ehemaligen Brutstandort Neuhaus/Oste handelt ist unklar. Der männliche Vogel wurde am 12. Februar 2016 tot auf dem Nest gefunden und von der AAN geborgen. Die Obduktion durch Dr. Oliver Krone am Leibniz Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin ergab, dass der Adler auf seinem Nest mit Jagdmunition erschossen wurde und unmittelbar daran verendet ist. Das Sektionsprotokoll sagt eindeutig aus: „Tödlicher Schuss durch Jagdmunition!“ Diese kriminelle Handlung ist teilweise von einem Zeugen beobachtet worden und dann von der Unteren Naturschutzbehörde Cuxhaven zur Anzeige gebracht worden.

Toter_Seeadler_Balje_2016 

Toter Seeadler auf dem Horst in Balje (Foto: Arbeitsgemeinschaft Adlerschutz Niedersachsen)

Dazu ist anzumerken, dass der Abschuss des Seeadlermännchens im Zusammenhang mit einem Genehmigungsverfahren für den Bau von Windkraftanlagen zu sehen ist. Der Seeadlerbrutplatz liegt im Planungsraum und erschwert auf Grund artenschutzrechtlicher Bestimmungen das Genehmigungsverfahren erheblich. Insofern ist hier eine Motivlage für den Abschuss zu suchen. Ein besonderer Dank gilt dem Fernsehsender N3 sowie der Nordseezeitung, die uns bei der Berichterstattung über diese Umweltstraftat in bemerkenswerter Art und Weise medial unterstützt haben. Die umfangreichen Beweisaufnahmen und Zeugenvernehmungen werden laut Staatsanwaltschaft fortgesetzt und laufen aktuell noch. Das Seeadlerweibchen hat sich eine Woche nach dem Abschuss des Männchens neu verpaart, brütete erfolgreich und ein Jungadler wurde flügge.

Peter Görke & Joachim Schwarz
Arbeitsgemeinschaft Adlerschutz Niedersachsen

 

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