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Untersuchung des IZW

Todesursachen von Seeadlern in Deutschland

Sektion eines Seeadlers
Abb 1: Sektion eines Seeadlers im Institut für
Zoo- und Wildtierforschung (IZW).

Von 1998-2004 wurden 259 Seeadler aus Deutschland im Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) in Berlin auf ihre Todesursache untersucht. Die toten Seeadler wurden von Jägern, Naturschützern und sonstigen Personen gefunden und über die Naturschutzbehörden der Länder dem IZW für die Untersuchungen zur Verfügung gestellt. Zusammen mit den Tierkörpern wurden die Hintergrund-Informationen zu den jeweiligen Funden (Fundort, -datum, umstände, Finder, etc.) abgefragt. Alle Tiere wurden vermessen und geröntgt, bevor sie seziert wurden. Je nach Fragestellung schlossen sich Spezialuntersuchungen an. So wurden z.B. ausgewählte Organe auf ihren Schadstoffgehalt im Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie (FIWI) in Wien untersucht.

Die Seeadler wurden im gesamten Nordosten Deutschlands gefunden, was sich durch das Hauptverbreitungsgebiet der Seeadler erklären lässt. Das Geschlechterverhältnis der Seeadler war nahezu ausgeglichen. Bei der Altersverteilung fiel der hohe Anteil adulter Adler auf. Die von uns ermittelten Todesursachen lassen sich in „natürliche und anthropogen“ bedingte Verluste unterteilen.

Unter den natürlichen Todesursachen waren es besonders Infektionen und Revierkämpfe, die zum Tod der Seeadler führten. Bei den anthropogen bedingten Todesursachen waren es vor allem Bleivergiftungen und Traumata (Gewalteinwirkungen auf den Körper). In einigen Fällen war es trotz der vorhandenen Hintergrundinformation nicht möglich, die Ursache des Trauma zu ermitteln, weshalb diese Fälle unter „unspezifische Trauma“ summiert werden. In anderen Fällen wurde die Ursache des Traumas konkret ermittelt: „Kollision mit einer Stromleitung, -Windkraftanlage, Stromschlag und Bahnopfer“. In 41 Fällen konnte keine Todesursache ermittelt werden, da sich die Tierkörper in einem Stadium der fortgeschrittenen Verwesung befanden.
Unter den Infektionen waren es der Befall mit Leberegeln, Schimmelpilzen, Bakterien und Viren. Auch wenn jeder zweite Seeadler befallen ist, so ist der Leberegel nur selten für den Tod eines Seeadlers verantwortlich. Veränderungen, die in diesem Zusammenhang gefunden wurden, betrafen vor allem die Leber, Gallengänge und die Gallenblase. Ähnliche makroskopische Veränderungen fanden wir aber auch bei den bleivergifteten Seeadlern.
Die zweite wichtige Todesursache unter den natürlichen Verlusten stellen Revierkämpfe dar. Bei diesen territorialen Auseinandersetzungen werden Seeadler nicht selten getötet. Verletzungen am Kopf und inneren Organen sind dann für den Tod der Tiere verantwortlich. Typische äußerlich sichtbare Anzeichen sind die Verletzungen an den Fängen.

Unter den anthropogen bedingten Todesursachen sind es Kollisionen mit Windkraftanlagen, die einen gewissen Einfluss auf lokale Brutpaare von Seeadlern zu haben scheinen. Seit 2002 sind 14 Seeadler an Windkraftanlagen in Deutschland verunfallt. Dies ist sicher hauptsächlich ein Problem des Standortes der jeweilige Windkraftanlagen. Der Tod durch Stromschlag ist ebenso ein wichtiges Problem für alle Großvogelarten in Deutschland. In der Novelle des Bundesnaturschutzgesetzes vom April 2002 regelt der neue § 53 den Vogelschutz an Freileitungen.

Bahnopfer Seeadler
Abb. 2: Seeadler als Bahnopfer im Biospärenreservat
Schorfheide-Chorin. Fotos: Oliver Krone

Die zweit-häufigste Todesursache (19%) sind an der Bahn verunfallte Seeadler. Die Adler fressen an Kadavern die auf oder neben dem Gleisbett liegen und werden selbst zum Opfer der Bahn.
Die mit Abstand häufigste Todesursache bei Seeadlern ist die orale Bleivergiftung. Sie macht 27% aller bekannten Todesursachen aus. Nicht immer werden die typischen röntgendichten Metallpartikeln im Magen des Seeadler gefunden. Häufig waren die Bleipartikel bereits vollständig aufgelöst. Gelegentlich konnten die Partikel aber röntgenologisch ermittelt (Abbildung 2) und anschließend isoliert werden. Bei diesen Teilchen handelt es sich hauptsächlich um Bleipartikel aus Jagdmunition.
Die Auflösung des Bleis wird begünstigt durch den sehr niedrigen ph-Wert des Seeadlermagens, die lange Verweildauer und die kleine Oberfläche der Bleipartikel. Mit dem Blut gelangen die Blei-Ionen in die inneren Organe, wobei besonders Leber und Niere betroffen sind. Langfristig wird das Blei in den Knochen deponiert. Blei führt zu einer Hämolyse, blockiert Enzyme, schädigt die Blutbildung und lähmt die glatte Muskulatur. Von besonderer Bedeutung ist die neurotoxische Wirkung auf das zentrale und das periphere Nervensystem. Typische Symptome sind Bewegungsinkoordination, Beeinträchtigung des Sehvermögens bis hin zur völligen Blindheit, Muskelkrämpfe und Atemprobleme.

Durch systematisches Röntgen konnten in 24 Fällen Metallpartikel aus den Mägen von Seeadlern isoliert werden. In nur 3 Fällen handelte es sich um Bleischrote aber in 21 Fällen um Bleipartikel von Kugelgeschossen.
Als Ursache von letalen Bleivergiftungen bei Vögeln spielt fast ausschließlich die orale Aufnahme eine Rolle. Bei Greifvögeln erfolgt dies mit der Nahrung. Sie fressen geschossene Wildtiere oder Wildaufbruch oder erbeuten noch lebende aber angeschossene Wildtiere. Wasservögel nehmen Bleischrote als Magensteinchen (Grit) auf bzw. verwechseln die Schrot-Kügelchen mit Pflanzensamen. Anders als bei den Greifvögeln werden hier die Bleipartikel mechanisch durch die Magensteinchen und dem Zusammenspiel mit der starken Muskulatur des Magens zerrieben.

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